AfD lehnt Aufnahmeantrag ab. Zorn bei den Betroffenen

Auf Facebook melden einige Nutzer, dass die AfD ihre Anträge auf eine Mitgliedschaft in der Partei abgelehnt hat. Die Gründe werde nicht mitgeteilt und Kriterien sind unbekannt. Wir haben Meldungen solcher Ablehnungen durch die AfD in Nordrhein-Westfalen bei zwei Rechtsanwälten mitbekommen. Mindestens in einem Fall gab es ambitionierte Ansprüche an die eigene Rolle in der AfD. Vielleicht spielte das bei der Ablehnung eine Rolle; wir werden das aber nicht erfahren. Interessant sind die Reaktionen der Betroffenen. Das Erleben einer persönlichen Abfuhr wird gleich im Netz gepostet. Warum passiert das? Und was will man damit erreichen?

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Mitteilung bei Facebook: AfD-Landesvorstand verweigert jemanden die Parteimitgliedschaft

Betroffene reagieren beleidigt

Einige Betroffene reagieren darauf mit AfD-kritischen Posts bei Facebook und verunsichern damit ihre Freunde in sozialen Netzen, zum großen Teil selbst Befürworter einer konservativen Politik. Eine zwiespältige Auseinandersetzung folgt mit teils sarkastischer Kritik an der AfD und Vermutungen über skandalöse Postenschacherei im Hintergrund bis hin zu persönlichen Angriffen. Aus der zuvor noch bestehenden Zuneigung und Unterstützung wird dann eine Abneigung mit offener Kritik und dem Charakter eines Rosenkriegs.

Es folgt massive Kritik an der AfD

Der breit aufgebaute Freundes- und Unterstützerkreis für das eigene AfD Engagement erfährt durch die persönliche Enttäuschung bez. der Aufnahme in die AfD auf einmal starke Kritik an dieser Partei, die man zuvor als einzige Wahloption in den heutigen Krisenzeiten betrachtete. Das schwächt die AfD und stärkt andere Parteien, denen man nicht zutraut, vernünftige Formeln auszusprechen und durchzusetzen. Es melden sich nun weitere, die abfällige Kommentare äußern.

Enttäuschung wiegt mehr als politische Ziele

Das ist widersprüchlich. Entweder möchte man einen Politikwechsel oder es geht einem um die eigene Karriere, bzw. persönliche Beachtung. Wer eine andere Politik möchte und diese durch eine neue Partei annähernd ebenso gewollt sieht, sollte sie unterstützen, auch wenn man als Mitglied nicht aufgenommen wird. Die meisten Wähler sind keine Mitglieder der Parteien, die sie wählen. Wer einer Partei trotz eines guten Programms auf die Füße tritt, weil sie einen nicht aufnimmt oder einem die gewünschten Perspektiven nicht eröffnet, stellt persönliche Befindlichkeiten über die politische Richtung. Den Fehler sollte man nicht begehen, um nicht unglaubwürdig zu werden.

Warum die AfD einige Anträge ablehnt, weiß man nicht. Die Ablehnungen müssen nicht begründet werden. In irgendeiner Form wird dies an der betreffenden Person liegen, die zum Zeitpunkt des Aufnahmeantrags von den Bearbeitern solcher Anträge kritisch betrachtet werden.

Wer sich einer Partei anschließen möchte, sollte ihr Parteiprogramm kennen und größtenteils damit einverstanden sein. Die Positionen eines Parteiprogramms werden in jungen Parteien mühsam ausgehandelt. Es sind immer Kompromisse aus unterschiedlichen Standpunkten. Innerhalb einer Partei gibt es rivalisierende Kreise mit anderen Meinungen und Positionen, die erst durch Verhandlungen und Auseinandersetzungen zum gemeinschaftlichen Konsens führen.

Selbstdarstellung muss zur Wunschpartei passen

Sehr wichtig ist die Selbstdarstellung von engagierten, politisch motivierten Personen in sozialen Netzen oder auf der eigenen Website. Andere müssen erkennen, warum man gerade die betreffende Person unterstützen sollte. Ein ständiges Posten von negativen, Angst einflößenden Meldungen besagt nichts darüber, was die Person gegen solche Zustände tun würde. Welche Konzepte unterstützt man? Welche Visionen und Perspektiven hat man? Dem Wähler geht es ja nicht darum, dass seine Volksvertreter lediglich Sprachrohr für die eigenen Ängste und Sorgen sind, sondern, dass sie Lösungen haben.

AfD muss ihr Image verbessern

Die AfD muss mit der Kritik und Ächtung durch die Medien klarkommen. Die Dresdner Rede von Björn Höcke im Januar 2017 hat dem Image der AfD Schaden zugefügt und auch interne Spannungen hervorgerufen, weil viele AfD-lern ihn schätzen und über die bizarre Themen- und Wortwahl der Dresdner Rede hinweg sehen können.

Die Spitzenkräfte der AfD müssen jedoch gegen ein Image ankämpfen, das ihnen derzeit nur eine Position in der  Opposition zugesteht. Noch werden Bündnisse mit ihr als absolutes NoGo betrachtet. Davon will und muss man weg. Dies wird bei der Bewertung eines Antrags auf Mitgliedschaft in der AfD eine Rolle spielen.

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