Björn Höcke (AfD) und das Denkmal der Schande

Die Rede Björn Höckes (AfD) vom 17. 1. 2017 in Dresden erregt die politischen Gemüter. Von den Medien und politischen Gegnern wird er zum NAZI erklärt. Die SPD bezeichnet ihn als Geschichtsrevisionisten. Anlass dazu ist Höckes Beitrag zum Holocaust Denkmal in Berlin, das er ‚Denkmal der Schande‘ nennt, wie zuvor bereits Martin Walser und Rudolf Augstein. Höcke sagt: „Wir Deutschen, also unser Volk, sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat.“

Daraus wird konstruiert, dass Höcke das Denkmal als Schande betrachtet. Doch diese Bedeutung ergibt sich gar nicht aus dem Satz. Dennoch ist er falsch, weil das Erinnern an ungute Taten auch in anderen Ländern existiert. Davon unten mehr. Ferner provoziert Höcke mit Worten, die muffig nach unguter Vergangenheit klingen.  Bleiben wir kurz beim Denkmal der Schande.

Holocaust-Denkmäler in Berlin

Der Bau des Holocaust Denkmals war seinerzeit umstritten angesichts der bereits vorhandenen zahlreichen Holocaust-Gedenkstätten in Berlin, beispielsweise Stolpersteine mit den Namen von Naziopfern oder das Mahnmal in der Levetzowstrasse, wo sich eine der größten Synagogen Berlins befand. Hier richteten die Nationalsozialisten 1941 ein Sammellager für Juden ein. Seit 1988 erinnert das Mahnmal daran. Auf der Putlitzbrücke befindet sich seit 1987 ein Deportationsmahnmal als Gedenkstätte an die Juden, die vom Moabiter Güterbahnhof deportiert wurden. Ein Spaziergang durch die Kleine Hamburger Straße in Berlin-Mitte offenbar viel über die Judenverfolgung. Das Gelände ‚Topographie des Terrors‘ bietet unweit des Holocaust Denkmals Anregungen zur Auseinandersetzung mit den Naziverbrechen. Berlin erinnert an vielen Orten an den Holocaust. Das Konzentrationslager Sachsenhausen nahe bei Berlin wird als Gedenkstätte erhalten. Deswegen gab (gibt?) es Stimmen gegen das zusätzliche Denkmal. Aber ist das aktuell wichtig?

November 2000. Berlin. Mitte. Denkmal für die ermordeten Juden Europas

November 2000. Berlin. Mitte. Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Schon vor der Fertigstellung war das Denkmal für die ermordeten Juden Europa eine Sehenswürdigkeit.

12. 11. 2005. Berlin. Moabit. Jüdisches Denkmal auf der Putlitzbrücke

12. 11. 2005. Berlin. Moabit. Jüdisches Denkmal auf der Putlitzbrücke

Denkmäler der eigenen Schande gibt es auch in anderen Haupstädten

Björn Höcke sagte, dass die Deutschen die einzigen seien, die sich ein Denkmal der Schande in ihrer Hauptstadt errichtet haben. Das stimmt nicht! Beispiele:

In den USA gibt es ein National Slave Memorial, das an die Sklaverei und ihre Opfer erinnert. Zudem wurde zum Thema ein Museum errichtet: National Museum of African American History and Culture, in dem die Verschleppung in die USA und Versklavung von Afrikanern eine bedeutende Rolle spielt. Dieses Museum befindet sich in der National Mall, im Herzen der US-Amerikanischen Hauptstadt Washington.

In Johannisburg, der Hauptstadt Südafrikas gibt es diverse Gedenkstätten an die Opfer der Apardheit, unter anderem: Trojan Horse Massacre Memorial, ein Apartheid Museum, und den Freedom Park.

In der Hauptstadt Kambodschas erinnert das Tuol Sleng Genocide Museum an die Greuel (Killing Fields) der Roten Khmer.

Es ist schwer zu glauben, dass Björn Höcke die Präsenz solcher Gedenkstätten nicht wenigstens vermutet hat. Merkwürdig ist jedoch, dass auch seine politischen Gegner sie übersehen.

Stattdessen weisen sie Höckes Worten ‚Denkmal der Schande‘ eine Bedeutung zu, die das Denkmal an sich als schändlich darstellt. Aber sprachlich steckt das nicht in dieser Bezeichnung.
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Reaktionen auf Facebook

201701-Hoecke-SPD-2

Hetze der SPD: „Die AfD hat mit Höckes menschenfeindlicher Rede ihr wahres Gesicht gezeigt.“

201701-Hoecke-SPD

Katarina Barley (SPD): „Björn #Höcke sricht die Sprache der NSDAP.“

201701-Hoecke-Focus

FOCUS Online Politik: “ … Skandal-Rede über das Holocaust-Gedenken.“

Facebook. Richtig genervt von Höckes Rede war Tatjana FEsterling.

Facebook. Richtig genervt von Höckes Rede war Tatjana Festerling, eine mutige Aktivistin aus der konservativen Bürgerbewegung. Sie erkannte die Brisanz in der Rede Höckes, doch ihre Kritik war unter ihren Facebook-Freunden sehr umstritten, die teilweise mit ihrer Deutung überfordert waren.

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Umdeutung der Worte

Insbesondere die SPD nutzt die Rede Höckes zur Diffamierung der AfD. Kein Wunder, denn seitens der AfD gibt es derzeit massive Kritik an der Haltung der etablierten Parteien zu den Opfern des Attentats (Dezember 2016) auf dem Berliner Weihnachtsmarkt. Sie werden kaum beachtet, als ob man sie schnell in Vergessenheit bringen möchte. Logisch, denn viele Bürger lasten sie den etablierten Politikern an, die eine chaotische Migranten-Willkommenspolitik betreiben. Da kommt es gelegen, dass ein umstrittener AfD Politiker geistigen und verbalen Mist baut, woraufhin eine Überwachung der AfD durch den Verfassungsschutz  gefordert wird.

Überflüssige Steilvorlage von Höcke

Höcke hätte diese Steilvorlage gar nicht bieten dürfen. Die aktuelle Politik ist für viele Menschen unverständlich und beunruhigend. Ob Griechenland-Krise, ob Brexit oder Stationierung von deutschen Truppen an der russischen Grenze bis hin zur völlig unverständlichen Migrationspolitik – vieles ist im Argen, empfinden viele Deutsche. Da besteht allerhand Klärungsbedarf.

Wenn die AfD behauptet, eine bessere Politik machen zu können, dann soll sie diese bitte auch erklären. Was will sie anders machen, weshalb sollte man sie wählen? Mit Hinblick auf die anstehende Bundestagswahl sind handfeste und konkrete Programme wichtiger als verstörende Vorträge. Die AfD wird scheitern, wenn sie das nicht in den Griff bekommt. Es ist fraglich, ob Björn Höcke in einer politischen Alternative tragbar ist.

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