Das Aus für die Lügenpresse?

„Medienvertrauen wächst“, betitelt Monika Lungmus in der Ausgabe 05 / 2017 der Zeitschrift ‚journalist‘ des DJV (Deutscher Journalisten-Verband)  ihren Beitrag. Was ist dran?

Laut einer Umfrage, die Professor Kim Otto von der Universität Würzburg mit Andreas Köhler für das Eurobarometer der Europäischen Kommission auswertete, hielten im Jahr 2016 nur 55,7 % der Deutschen die Presse für vertrauenswürdig, eigentlich kein guter Wert, doch besser als in vorherigen Jahren.

Vertrauen in die Medien zwischen 2001 bis 2015: 46,4 %

In einer Grafik, die das Vertrauen in die Presse seit dem Jahr 2000 darstellt, sieht man, dass im Jahr 2000 der Wert bei 30,2 % lag und in den Jahren von 2001 bis 2015 bei rund 46,4 %.  Jedoch für das Jahr 2016 ergab sich der Wert 55,7 %. Laut DJV ergaben andere Befragungen ähnliche Werte, aber zusätzliche Untersuchungen wiesen einen Rückgang des Vertrauens in die Medien aus. Die unterschiedlichen Ergebnisse beruhten auf den Fragen der einzelnen Studien und auch, wie spezifisch sie waren, meint Lungmus.

Quelle: Universität Würzburg

In dem Zusammenhang weist der Artikel auch auf eine Verunsicherung der Journalisten durch die Vorwürfe einer Lügenpresse hin, der zufolge auch sie ein relativ geringes Vertrauen in die Medien haben.

Warum erst jetzt?

Beim Lesen des Artikels gewinnt man den Eindruck, als ob es den Medien und somit auch einigen Journalisten vorher ziemlich egal war, wie viel Vertrauen ihnen entgegengebracht wurde. Und es ihnen auch heute wenig ausmachen würde, wären da nicht diese Rechtspopulisten. Vielleicht erklären sich daraus auch die Abwehrhaltungen aus Kreisen der Journalisten gegen die sachliche Auseinandersetzung mit Themen von Pegida und der AfD sowie kritischen Bürgern innerhalb und außerhalb der etablierten Parteien, die einer ihnen suspekte EU-Politik und der hochriskanten Migrationspolitik ablehnend gegenüberstehen.

Peinliche Verquickung mit Rechtspopulismus

Der Artikel vermittelt, dass die Lügenpresse-Vorwürfe der von den Medien als Rechtspopulisten Bezeichneten zu vertrauensbildende Maßnahmen bei den Medien führten.

Nun existieren diese öffentlichen Lügenpresse -Vorwürfe in der aktuellen Intensität ja nicht seit dem Jahr 2001, seitdem das Vertrauen ziemlich stabil mit durchschnittlich nur 46,4 % ausgesprochen wurde, sondern zunehmend erst seit 2014. Hierbei spielen soziale Medien, wie Facebook und Twitter, eine wichtige Rolle, weil sie es einzelnen Bürger ermöglichen, ihr Misstrauen dort auszusprechen.

Journalisten im Rechtfertigungszwang

Das über einen langen Zeitraum von einer Mehrheit der Deutschen empfundene geringe Vertrauen in die Medien hatte viele Jahre offenbar nichts bewirkt. Aber auf einmal treten protestierende Bürger auf, die den Medien klar entgegen sagen: „Lügenpresse!“  Das ist ein schwerwiegender Vorwurf gegen eine Branche, in der sich einzelne Akteure persönlich angegriffen fühlen und die Äußerer dieser herben Kritik gerne zu rechten und unbedeutenden Dumpfbacken erklären möchten. Irgendwie schwingt da eine Form der Rechtfertigung mit, ahnend, dass es eines Tages heißen könnte:

„Du warst doch ein Teil des Ganzen, hast mitgemacht, um dein Gehalt zu verdienen. Du warst auch nicht besser als Bundestagsabgeordnete, die durch den Fraktionszwang ins selbe Horn bliesen, ohne an die Melodie zu glauben.“

Insgesamt wirkt der Artikel extrem peinlich.  Warum steht da nicht: „Wir hätten früher hinsehen sollen; wir hätten früher reagieren müssen.“ Und warum geschah das eigentlich nicht?

Mehr dazu:
Artikel auf br.de: Uni Würzburg stellt steigendes Medienvertrauen fest

media.de:  Studie: Vertrauen in die Medien steigt massiv an – das Misstrauen aber ebenso

61 views