Papiere auf der Flucht verloren?

Dass Menschen auf der Flucht ihre Papiere verlieren, kann man nachvollziehen. Klischeehaft kennen wir zerlumpte Menschen auf der Flucht, die nur das Allernötigste mit sich führen. Dabei sehen wir die Bilder der Ostpreußen Flüchtlinge am Ende des Zweiten Weltkriegs. Trecks von dick eingepackten Gestalten, die bei klirrender Kälte vor den nahenden russischen Streitkräften flohen.  Viele erreichten kein sicheres Ziel. Die anderen wurden in den Meldestellen des Roten Kreuzes und der lokalen Behörden erfasst. Sie wurden verteilt und nur durch ihre Registrierung fanden versprengte Gruppen zusammen oder Rückkehrer aus der Kriegsgefangenschaft ihre längst woanders untergebrachten Angehörigen. Man muss sich nur die entsprechenden Filme ansehen, um ansatzweise nachvollziehen zu können, wie bitter die Aufgabe der Heimat, die Flucht mit dem, was man unter den Umständen gerade noch mitbekommen konnte, Kälte und Tote und Bedrohungen auf dem Weg waren. Klar, dass viele dabei ihre Dokumente verloren.

Dokumente im Google Drive

Dokumente im Google Drive

Dokumente auf der Flucht verloren, kann man das heute noch durchgehen lassen? Hat sich etwas geändert? Wenn man sich die Bilder der Menschen ansieht, die heute als Flüchtlinge dargestellt werden, fällt auf, dass viele von ihnen Smartphones besitzen. In Berlin bin ich mehrere Male zum Landesamt für Gesundheit und Soziales (LaGeSo) gefahren, um mir ein Bild von den Zuwanderern und der Situation vor Ort machen zu können. Auffällig ist, wie viele von ihnen Smartphones haben, eigentlich fast jeder oder zumindest einer in einer zusammengehörenden Gruppe.

Technisch gesehen bewegen sich viele Zuwanderer auf dem neuesten Stand der Kommunikationstechnologie und da stellt sich die Frage, warum sie nicht zumindest digitale Kopien ihrer Dokumente haben. Jedes Smartphone verfügt heute über eine Kamera, die alle Male ausreicht, um Dokumente in einer hohen Qualität zu digitalisieren und es gibt im Internet genügend kostenlose Cloud Speicher, wie beispielsweise die Dropbox oder einen Google Drive und riesige Bildspeicher bei Flickr, um dafür zu sorgen, dass man weltweit auf digitale Kopien seiner wichtigsten Dokumente zurückgreifen kann. Per Email kann man sie auch an Landsleute, die an einem sicheren Ort leben, mailen.

Natürlich ersetzt eine Kopie nicht das Original. Jedoch kann man häufig bereits beim Vergleich von verschiedenen kopierten Dokumenten den Grad ihrer Glaubwürdigkeit vermuten und handfeste Hinweise für ihre Überprüfbarkeit erhalten. Zum Beispiel: Wer hat sie ausgestellt? Wann und wo? Dies erlaubt Rückfragen bei entsprechenden Stellen.

In keinem Bericht über Asylantragsteller, die angeblich ihre Papiere verloren haben, stand etwas von dieser Möglichkeit. Flucht hin oder her. Meistens handelt es sich dabei nicht um einen spontanen Vorgang, wie ein Hausbrand. Wer eine Flucht vorbereitet und mit Schleppern verhandeln kann, dürfte in der Regel auch die Möglichkeit haben, seinen Pass, Führerschein und Ausbildungszertifikate abzufotografieren.

Dass dies von asylbeantragenden Zuwanderern nicht geleistet wird und offenbar auch nicht von den Behörden erwartet wird, ist schwer zu verstehen. Laut Grundgesetz können politisch Verfolgte bei uns Asyl beantragen. Dazu ist ihre Mitwirkung und sind wahrheitsgetreu Angaben notwendig. Wer hier mit einem Smartphone ankommt und angibt, seine Papiere verloren zu haben, verspielt einen Vertrauensvorschuss.

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