Schiffbruch vor Lampedusa

Seit vielen Jahren versuchen Menschen aus Afrika, in der Regel junge Männer, nach Europa einzureisen, in der Hoffnung hier ein besseres Leben zu führen als es in ihrer Heimat möglich ist. Wie diese Erwartungen zustande kommen, wollen wir in diesem Beitrag nicht im einzelnen erörtern. Zweifellos spielen Zahlungen über Western Union und Hawala-Banking von hier angekommenen Afrikanern in ihre Heimatländer eine Rolle nebst Internet-und Telefonkontakten. In Berlin gibt es Gegenden, in denen sich afrikanische Communities gebildet haben. In verschiedenen Ländern Europas erhalten die Eingereisten eine existenzsichernde finanzielle Unterstützung. In den wohlhabenderen europäischen Ländern gibt es zahlreiche Migrantenvereine, die ihren ethnischen und kulturellen Gruppen rechtliche Beratung und weitere Unterstützungen beim sich Niederlassen im Ausland anbieten.

Boote am Mittelmeer

Boote am Mittelmeer

Laut Angaben im Internet leben zur Zeit über 7 Milliarden Menschen auf der Welt. Im Jahr 2050 werden bei einem anhaltenden exponentiellen Wachstum wahrscheinlich 9 Milliarden Menschen auf der Erde leben.

Der Platz auf unserer Erde ist begrenzt. Infolgedessen wird die Bevölkerungsdichte zunehmen. In Deutschland leben durchschnittlich 230 Einwohner auf einem Quadratkilometer, in Äthiopien sollen es 72 Einwohner und in Tansania 39 Einwohnern sein. Die durchschnittliche Bevölkerungsdichte in Europa beträgt 117 Einwohner pro Quadratkilometer und in Afrika 33 Einwohner. Die Bevölkerung Afrikas hat sich seit 1950 fast verfünffacht. Der Einfluss der Kirche und fehlende Verhütungsmittel bewirken ein Explodieren der afrikanischen Bevölkerungszahlen. Zudem ist in afrikanischen Gesellschaften der Glaube daran, dass viele Kinder eine Alterssicherung bedeuten, stark verbreitet.

In Europa sind in den vergangenen Jahren viele Landesgrenzen gefallen. Die europäischen Völker leiden unter einem zunehmenden Identitätsverlust. Die von Brüssel gesteuerte Europäisierung setzte innereuropäische Wanderungen von Arbeitskräften in Gang und von anderen Menschen, welche in die sozialen Netze der reicheren EU-Länder hinein wollen. In den europäischen Metropolen wird in vielen Bezirken ein Mischmasch aus diversen Sprachen gesprochen. Es gibt interkulturelle und religiös bedingte Spannungen. Größer werdende Migrantengruppen fordern eine Akzeptanz ihrer Bräuche und Verhaltensweisen. Die Medien predigen seit langem Toleranz und das multikulturelle Miteinander, doch droht das europäische Experiment an einer Überforderung vieler Menschen zu zerbrechen sowie an der gemeinsamen Währung. Die Grundidee, dass in einem gemeinsamen Europa ohne Nationen Kriege, wie es sie in den vergangenen Jahrhunderten zwischen den verschiedenen europäischen Ländern mehr als reichlich gab, vermieden werden können, ist eine fragwürdige These. Das haben nicht mal die Römer im historisch vereinigten Europa mit ihrer Währung Sesterz unter ihren Cäsaren geschafft. Derzeit scheint es nicht so, als ob die Griechen gut auf die Deutschen zu sprechen seien und über die Gedanken, die so mancher Deutsche angesichts der wahnsinnig hohen Garantieleistungen der BRD zur Rettung des Euro empfindet, wollen wir nicht im einzelnen eingehen.

Doch dieses ist gewiss. Europa muss durch den jetzigen Prozess durch und Afrika muss ebenfalls zusehen, dass es seine inneren Probleme löst und seiner zunehmenden Bevölkerung eine attraktive Perspektive bietet. Der Kontinent ist groß genug und bietet ausreichend Potenzial, um eine starke Wirtschaft aufzubauen. Die jungen Männer, die auf vollgepackten Booten von Afrika aus in Richtung Europa fahren, um illegal einzureisen, tun dies auf eigenes Risiko, das den Europäern nicht zur Last gelegt werden kann. Von den Spannungen in afrikanische Staaten erfahren wir selten etwas in sachlich ausgewogenen Berichten. Aus Ägypten hören wir seit längerem, dass es Demonstrationen und Proteste gibt, während der es zu Todesfällen kommt. Libyen: Was hat der Bürgerkrieg nebst der Einmischung von westlichen Ländern auf Seiten der Anti-Gaddafi-Partei gebracht? Positives haben wir noch nicht vernommen und vielen ist entgangen, dass der angeblich wahnsinnige Gaddafi seit 1980 ein gigantisches Projekt zur Wasserversorgung Libyens, Ägyptens, dem Tschad und Sudan durchführte und beinahe fertig gestellt hatte. In kritischen politischen Blogs gibt es zahlreiche Äußerungen, die besagen, dass ein solches Projekt ohne Geld der Weltbank und des IWF nicht geduldet werden konnte und Gaddafi deswegen ausgeschaltet wurde. Im Süden Libyens gibt es vier unterirdische große Wasserreservoirs, in denen ungeheure Mengen reinen Wassers vorhanden sind, mit denen es möglich ist, wüstenartige Gebiete in große landwirtschaftliche Produktionsflächen umzuwandeln, die dringend benötigte Lebensmittel, Arbeitsplätze und Wohlstand für diverse Länder Afrikas bedeuten. Die koloniale Vergangenheit Afrikas, die immer noch vorhandenen Interessensansprüche westlicher Länder und Chinas sowie eine Kultur der Korruption, der Orientierung auf den eigenen Stamm oder die eigene Dorfgemeinschaft und weniger auf den Staat, behindern die wahre Unabhängigkeit und das Vorankommen Afrikas. Hier liegt das eigentliche Problem der so genannten Flüchtlingsströme aus Afrika nach Europa.

Wir haben die Afrikaner nicht dazu aufgefordert, dicht gedrängt auf unsicheren Booten das Mittelmeer zu überqueren, um hier in die sozialen Netze oder in dubiose illegale Existenzen zu gelangen oder dem innereuropäischen, massiv angespannten Arbeitsmarkt weiter zu belasten. Es ist keine Option, jungen unzufriedenen Afrikanern Europa zu öffnen und sie womöglich noch abzuholen, damit sie den Gefahren der durch Schleuser organisierten Fahrten im Boot über das Mittelmeer entgehen. Die Attraktivität der europäischen Sozialleistungen sowie bei nicht sicherer Ermittlung des Herkunftslandes nicht abgeschoben werden zu können, wird weiterhin Menschen aus anderen Teilen dieser Welt dazu veranlassen, nach Europa zu kommen. Die Lösung kann nur in der Schaffung von besseren Perspektiven in den Herkunftsländern liegen. Die Initiative muss von den dort Lebenden ausgehen, die wir unterstützen sollten. Wir können an den hiesigen Ausbildungsstellen afrikanische Menschen qualifizieren und erwarten, dass sie ihre Fähigkeiten ihrem Herkunftsland zugute kommen lassen. Wir leisten Entwicklungshilfe und müssen dieses Engagement verstärken.

Die Problematik, die sich aus der explodierenden Bevölkerungsanteil in Afrika ergibt, betrifft die Europäer, denn das Mittelmeer ist keine unüberwindliche Barriere.

Die Tragödie von Lampedusa, während der kürzlich einige 100 Menschen durch Ertrinken starben, erschüttert. Zugleich überrascht das anhaltende mediale Interesse an dem Ereignis, weil seit etlichen Jahren vollgepackte Boote von Afrika aus zu den kanarischen Inseln oder zu den Küsten der südeuropäischen Länder aufbrechen und immer wieder welche untergehen und Menschen über Bord fallen. Wir wissen, dass dies passiert und können das tatsächliche Ausmaß nicht einschätzen. Wahrscheinlich kennen einige Behörden realistische Zahlen, doch nicht die Öffentlichkeit. Die politischen Probleme Afrikas werden nicht durch eine ungezügelte Einwanderungssituation nach Europa gelöst, sondern durch die Handlungen der Bürger in ihren jeweiligen Ländern. Eine Zeitung vermutete, dass in den letzten 20 Jahren über 10.000 Menschen im Mittelmeer ertranken und betitelte den entsprechenden Artikel mit ‚Tödliche EU-Politik‘. Das ist Stimmungsmache. Wem nützt das? Libyen war mit seinem Bewässerungsprojekt auf dem richtigen Weg. Wir müssen solche Projekte wahrnehmen und uns dafür einsetzen, dass sie gelingen, ohne den Afrikanern die Kontrolle darüber streitig zu machen. Es ist ihr Kontinent auf unserer gemeinsamen Erde und wir alle tragen ein Stück weit die Verantwortung dafür, dass alle es in ihren Heimatländern gut haben.

Einmischung, wo darf sie sein, wo ist sie nicht angebracht? Momentan hat die Welt ein echtes Problem mit einem defekten Kernkraftwerk an der Küste Japans. Stark kontaminiertes Wasser gelangt ins Meer und somit in unsere Nahrungskette. Die Gefahr einer sehr viel stärkeren radioaktiven Verseuchung droht. Hier existiert dringender Handlungsbedarf der Weltgemeinschaft, auch wenn das Kernkraftwerk in Japan liegt. Und wir müssen aufstrebenden Ländern in Afrika helfen, solche Fehler zu vermeiden, auch wenn dies viel Geld kostet und fühlbar etwas von unserem Wohlstand. Afrika muss seinen Weg gehen und wenn es dabei Hilfe braucht, soll es sie bekommen. Sie wird nicht gewährt durch Maßnahmen zur Minderung lebensgefährlicher Risiken, die illegal nach Europa drängende Afrikaner durch die Inanspruchnahme von Leistungen der gut bezahlten Schleuser auf sich nehmen.

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  • 11. 10. 2013 – 13:11 Uhr Kommentar von Luise

    Das ist ein spannender Artikel, der verschiedene Blickwinkel und Themen zusammenbringt. Das römische Reich mit der heutigen EU zu vergleichen, wäre mir nie eingefallen. Der Ansatz ist faszinierend.

  • 11. 10 2013 – 18:08 Uhr Kommentar von Rudi Ratlos

    Es ist richtig. Die Ursachen für die Fahrten auf solchem Booten müssen beseitigt werden. Das ist eine Aufgabe der afrikanischen Länder. Richtig ist die Aussage, dass wir Afrika helfen müssen, jedoch nur soweit unsere Hilfe aus Sicht der dortigen Einwohner Sinn macht. Erleichterungen beim illegalen Einwandern in die EU gehört sicherlich nicht dazu.

 

  • 12. 10. 2013 – 21:07 Uhr – Kommentar von J. Fenske

    Flüchtlinge, Schutzsuchende… Die Vokabeln in den Medien sprechen Bände. Es wird so getan, als ob alle illegalen Einwanderer zuhause bedroht seien, doch lockt vielmehr der westliche Wohlstand, dessenwegen man sich Schleusern anvertraut. Das hat mit Flucht und grundsätzlicher Schutzbedürftigkeit in den meisten Fällen nichts zu tun.

  • 13. 10. 2013 – 10:29 Uhr – Kommentar von incorrect

    Die Linke schaltet Anzeigen mit dem Titel: „Zum Tode von 19.000 Bootsflüchtlingen“ im Zeitraum zwischen 1988-2013. Darin wird den Tausenden von Toten gedacht vor den Toren Europas gedacht. Dann werden die Regierungen der EU aufgefordert, „ihre systematischen Menschenrechtsverletzungen im Rahmen ihrer europäischen Asyl- und Flüchtlinspolitik … der Entrechtung und Kriminalisierung von Menschen umgehend zu beenden.“
    Um diese 19.000 in eine Relation mit anderen Todesursachen zu setzen, erinnere ich an einen Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 19. 3. 2013. Demnach kamen 2012 28.000 Menschen auf Europas Straßen umgekommen. Im Vergleich zum Vorjahr waren es 9% weniger.
    Die Linke fordert: „Wir fordern offene Grenzen für Menschen in Not.“ Das kann in einer Welt mit vielen Kulturen und unterschiedlich entwickelten Ländern nicht ernst gemeint sein. Die EU würde von Zuwanderern plattgemacht werden. Die Lösung liegt in der Entwicklung der betreffenden Heimatländer. Dazu muss dort die Bereitschaft zur Entwicklung und gesellschaftlichen Reform vorhanden sein.

  • 14. 10. 2013 – 09:51 Uhr Kommentar von pro-billige-arbeitskraefte

    Illegale Wirtschaftsmigranten werden mit humanitären Gedanken zu bedauernswerten Personen abgestempelt. Was ist das für eine Argumentation?
    Die Einwanderer fallen zu Last der Kommunen. Die können jetzt schon vieles nicht mehr finanzieren. Straßenlampen werden abgeschaltet, Straßen verkommen, … wo soll das hinführen? Jedes Land der EU hat eine teure Marine, die jedes kleine Boot erfassen kann. Wieso kommen die Boote überhaupt soweit? Die dürfen gar nicht in die Hoheitsgewässer der EU gelangen. Sprit für die Rückfahrt kann man denen anbieten. Danach ebbt der Flüchtlingsstrom ab. Stattdessen fordert EU-Parlamentspräsident Schulz laut Spiegel Online momentan: „Europa ist ein Einwanderungskontinent“ Unfaßbar! Die EU wird politisch zerpulvert.

 

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