Ukraine. Zündeln für Profite und Absatzmärkte

In der Geschichte Europas gab es blutige Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Völkern, die Grund genug waren, darüber nachzudenken, ob ein einheitliches Europa ohne nationale Grenzen friedlicher wäre. Unsere Vorväter hatten begriffen, dass eine einheitliche Sprache dazu gehörte, obwohl keine Nation ihre eigene zu Gunsten der bereits bestehenden aufgeben würde. Deswegen erfand man die Kunstsprache Esperanto. Dass das Einführen einer einheitlichen Sprache funktionierte, zeigte Israel. Hebräisch, eine Sprache, die sonst nicht mehr gesprochen wurde, wurde als Landessprache etabliert. Jeder Israeli muss sie sprechen.

Doch der Traum von einem einheitlichen Europa ist nicht neu, wie die Geschichtsbücher vermitteln. Die Römer waren lange Zeit erfolgreich damit. Sie legten viele Wege durch Europa an, bauten Brücken und Viadukte, die noch heute existieren. Die Römer brachten luxuriöse Lebensart in rückständige Provinzen. Latein beeinflusste die lokalen Sprachen.

Römisches Reich zur Zeit seiner größten Ausdehnung im Jahre 117. Aus Hers Conversations LExikon, 1907

Römisches Reich zur Zeit seiner größten Ausdehnung im Jahre 117. Aus Hers Conversations LExikon, 1907

Karl der Große wurde im Jahre 800 Kaiser eines großen zentraleuropäischen Reiches. Zu Lebzeiten wurde er bereits Pater Europae („Vater Europas“) genannt. Anfang des 19. Jahrhunderts errang Napoleon Bonaparte mit seiner Revolutionsarmee zeitweilig die Oberhand über große Teile Europas und war maßgeblich beteiligt an der Verbreitung eines modernen Zivilrechts, basierend auf den philosophischen Ergebnissen der französischen Revolution. Doch die herrschenden Adeligen und eine neue Klasse von superreichen Profiteuren neuer Wirtschafts- und Ausbeutungssysteme holten sich nach Napoleons Niederlage die Macht zurück. Napoleon hatte sich zunächst für die Auflösung des Heiligen römischen Reiches eingesetzt, einer früheren Form der EU, und sich für den Nationalstaates stark gemacht. Später, als er mit seinen Armeen erfolgreich ein Land nach dem anderen eroberte, erwies sich diese frühe Einstellung als hemmender Faktor bei der Verbreitung einer napoleonischen Ordnung in Europa.

Im Zuge der Industrialisierung verschiedener Länder in Europa verschoben sich allmählich Macht- und Bedeutungsverhältnisse. Nationale Staaten bemühten sich um Kolonien. Ein gemeinsames Europa schien nach Napoleon undenkbar, doch Adolf Hitler versuchte es im 20. Jahrhundert auf traditionelle Art durch Kriege und Eroberungen. Vielleicht wäre es ihm gelungen, hätten die Amerikaner sich herausgehalten. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Europa in Ost und West gespalten.

In China hatte eine Revolution die traditionellen feudalen Herrschaftsstrukturen beiseite gefegt. Der Kommunismus breitete sich aus. Vietnam, Kuba und andere Länder gelangten symbolhaft für diese Entwicklung in die Geschichtsbücher. Kriegerische Auseinandersetzungen zwischen den westlich orientierten Staaten und Nationen, die ein neues Gesellschafts-und Verteilungmodell praktizierten, kamen zu Stande.

Zugleich befassten sich europäische Politiker mit der Initiierung eines friedlichen Prozesses, der zu einem geschlossenen Europa führen sollte. Ihr Versuch droht zu scheitern.

Aktuell stehen die europäische Staaten an einem Punkt, an dem viele Bürger nicht mehr an das Bestehen von gesunden Demokratie in ihren Staaten glauben. Rapide Zuwanderungen aus Ländern aus und innerhalb der EU mit der Bildung von Parallelgesellschaften mit anderen kulturellen und religiösen Hintergründen, Gewohnheiten, Verhaltensweisenansprüchen, aber auch dem Fehlen einer gemeinsamen Sprache verunsichern die Bürger und bilden einen ungesunden Nährboden für bürgerkriegsähnliche Konflikte in naher Zukunft. Die Politiker konzentrieren sich auf die gemeinsame Währung Euro und abstruse Rettungspakete, die nie und nimmer nötig wären, gäbe es noch die alten Währungen und damit faire Bewertungen der verschiedenen nationalen Wirtschaften. Dass diese Sache kein isolierter europäischer Vorgang ist, zeigt die massive Präsenz von Vertretern des amerikanischen Goldman-Sachs Unternehmens im extrem hochrangigen Positionen innerhalb der europäischen Regierungs-und Verwaltungsapparate.

Und nun zur Ukraine. Zwischen 1853 und 1856 standen russische Truppen, türkischen, britischen und französischen Soldaten auf der Krim gegenüber. Ein verlustreicher Krieg fand statt, der bekannt wurde durch den Fotografen Roger Fenton, dem ersten modernen Kriegsberichterstatter, aber auch der Einsicht, dass Kriege eine gute medizinische Versorgung der Truppen bedingten, um die hohe Zahl der Opfer durch Verletzungen, Seuchen und Krankheiten zu verringern.

1855. Krimkrieg (1853-1856) Artillerie Stellung

1855. Krimkrieg (1853-1856) Artillerie Stellung

Der Krimkrieg ist längst vergessen. Man mag den Namen Florence Nightingale kennen, die als Begründerin des Berufsstands des/der Krankenpfleger/in gilt. Sie leitete während des Krimkriegs ein Militärkrankenhaus für verwundete und erkrankte Soldaten.

Während des Zweiten Weltkrieges war die Ukraine Schauplatz schlimmer Kämpfe. Sowohl die Sowjetunion als auch Deutschland erhebten einen Anspruch auf die Ukraine.

Nach der Eroberung der Ukraine betrachtete das Deutsche Reich sie als Kolonie, die landwirtschaftliche Produkte nach Deutschland zu liefern hatte. Mag dies dem Krieges geschuldet sein, so sahen die Ukrainer dennoch, dass sie nach ihrer Befreiung aus der UdSSR keine ebenbürtige Partner waren, sondern erobertes Gebiet. Nach dem zweiten Weltkrieg verschwanden die Ukrainer aus dem Fokus der Mittel- und Südeuropäer.

Der Zustand hat sich jüngst geändert. Ähnlich wie Szenen des arabischen Frühlings, erleben wir nun Unruhen in der Ukraine mit Webcams. Live sehen wir, wie Demonstranten und Polizeikräfte sich gegenüberstehen. Feuer lodern. Ein Präsident verschwindet und das Volk begutachtet staunend seinen Prunkpalast. Ein ukrainischer Boxer, Weltmeister seiner Klasse, der in den westlichen Medien stets ordentlich gekleidet und vorzeigbar präsentiert wurde, will Präsident der Ukraine werden. Die Sache riecht merkwürdig inszeniert. Im Internet kursieren angebliche Emails des litauischen Präsidenten-Beraters Laurynas Jonavicius, die ein Hacker namens ‚Anonymous Ukraine‘ beschafft haben will. Dazu zählen vermeintliche Emails von Vitali Klitschko.

Wo stehen wir heute? Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier meinte zu den jüngsten Unruhen in der Ukraine am 2. 3. 2014: „Wir befinden uns auf einer äußerst gefährlichen Bahn der Zunahme von Spannungen, aber eine Umkehr ist noch möglich. Noch kann eine neue Spaltung Europas verhindert werden“.

Die Ukraine wurde von den Siegermächten des Zweiten Weltkriegs der UdSSR zugeordnet. Heute wird Europa nicht neu gespalten, wie der Bundesminister meint. Mit solchen Parolen wird gefährlich gezündelt. Die Ukraine war nie ein Teil der EU.

Es inzwischen nicht nur um eine Ausweitung der EU, sondern um eine Ausweitung der NATO, ein Militärbündnis, das sich längst nicht mehr nur als Verteidigungsinstrument betrachtet. Kein Wunder, dass sich die Russen akut bedroht sehen. Mehrmals wurde Russland von europäischen Armeen angegriffen und in sehr blutige Kriege verwickelt. Deswegen pflegte Russland ein System von Satellitenstaaten, die einerseits unabhängig waren, andererseits unter starkem Einfluss Russlands standen. Mit dem Fall der Mauer wurde dieses System gelockert. Diverse osteuropäische Staaten schlossen sich der EU an. Im Zwei-plus-Vier-Vertrag aus dem Jahre 1990 wurde u.a. sinngemäß folgendes unterzeichnet: „Die bestehenden Grenzen sind endgültig, das heißt, das vereinigte Deutschland verpflichtet sich, keine Gebietsansprüche (beispielsweise auf die seit dem Zweiten Weltkrieg de facto, jedoch damals nicht völkerrechtlich zu Polen und der Sowjetunion gehörenden Gebiete des Deutschen Reiches östlich der Oder-Neiße-Linie) zu erheben.“

—————-

10. 3. 2014  – 8:14 Uhr, Leserkommentar von No Bby

Ich frage mich die ganzen Tage, ob es nicht höchste Pflicht von Merkel und Gabriel ist, PRIMÄR Schaden von Deutschland abzuhalten und nicht PRIMÄR von der Ukraine? Die USA lassen den Verteidigungsminister Chuck Hagel reden und die Europäer legen gleich fleissig nach und lassen NATO Generalsekreketär Rassmussen eine Art Garantie für die Westukraine aussprechen. Das nennen diese politischen Akteure DEESKALATION ?

Das saublöde Telefon-Abgestimme mit der USA und das ebenso blöde US-treue Verhalten der Bundeskanzlerin Angela Merkel, der Deutschen Regierung und ihrer Medien im Ukraine Konflikt betont, dass dieses Land nicht autonom entscheidet und schon gar nicht im Sinne der Wahlversprechen regiert wird. Das Gezerre um die Ukraine erinnert an 1938 als A. Hitler der Tschechei sudetendeutsche Gebiete abnahm. Sollte der EU-Gedanke nicht dazu dienen, solche Gebietnahmen durch das Präsentieren von Waffen zu vermeiden?

Wie kann es angehen, dass die NATO, ein Verteidigungsbündnis, Interessensgruppen in der Ukraine, einem nicht zur NATO gehörenden Staat, Unterstützung gewährt? Das ist eine glatte Kampfansage an Russland. Otto von Bismarck, von 1862 bis 1890 mit kurzer Unterbrechung Ministerpräsident der Preußen, sah im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 ein wichtiges psychologisches Element, um die kleinstaatlich orientierten Deutschen sich als Gesamtnation erleben zu lassen. Im Felde standen Deutsche aus dem südlichen Bayern und nördlichen Pommern nebeneinander gegen einen gemeinsamen Feind. Wiederholt sich diese gefährliche Spiel in der Absicht die EU gegen Russland antreten zu lassen? Spalten wir deswegen die Welt erneut in Ost und West?

Die Rüstungsindustrie reibt sich die Hände. Während die hiesigen Steuerzahler die Zeche für teure Kriegsgeräte bezahlen müssen, darf sich die Ukranie darauf einstellen, dass im Falle eines Erfolges der EU und NATO, die entsprechenden Vertreter der westlichen Banken- und Wirtschaftsindustrie aufkreuzen werde, um im Zuge eine Neuordnung ihre Claims im neuen Protektorat abzustecken. Am Beispiel Libyens kann man derzeit gut nachvollziehen, wie sowas abläuft.


———-

10. 3. 2014 – 08:58 Uhr von Jens Flinte

Die Ukraine erfüllt in keinster Weise die Mindestanforderungen für Beitrittskandidaten der EU. Nun wird so getan, als ob die Einmischung in die Ukraine und zugleich angestrebte Gebietserweiterung der EU ein moralisch bedeutsames europäisches Vorhaben sei. Was sagt denn der Niederländer, Pole, Deutsche, Spanier auf der Straße dazu, dass ein Land, dass bislang in seinen Gedanken nicht existierte, auf einmal mit kriegerischen Mitteln einverleibt werden soll? Anders kann man die Vorgänge kaum nennen. In Goebbelscher Manier wird den Menschen suggeriert, dies sei das richtige Vorgehen.

Was durch die aktuellen Vorgänge an wichtigen Verbindungen und Kontakten geschreddert wird, ist unfassbar. Was geht das alles Obama an? Der sitzt doch himmelweit weg. Wer wird die Energiepreiserhöhung durch Sanktionen seitens Russland tragen?

Mit welcher ernstzunehmenden Begründung betrachtet NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen die Ukraine als Partner der NATO? Wie kommt er dazu, die Leistungsfähigkeit der ukrainischen Armee erhöhen zu wollen? Im Klartext heißt das, dass diese Armee mit westlichen Waffen (gezahlt vom Steuerzahler) ausgestattet wird, nachrichtendienstlichen Leistungen und Verbindungspersonal. Das Verhalten der EU ist beschissen. Darauf kann nicht mehr stolz sein.

—————

15. 3. 2014 – 10:41 Uhr  Kommentar von Hans Woerst

Mir kommt es vor, als dass die Politik die ganze Zeit versucht, den von ihr selbst aus Dummheit gemachten Anfangsfehler zu korrigieren aber man verschlimmbessert ihn täglich. Fakt ist, dass mit  Unterstützung und auch Geld (!) des Westens ein geopolitisches Manöver direkt vor Putins Nase gestartet wurde, einzig mit dem Ziel die EU zu vergrössern, womöglich die Nato noch weiter auszudehnen und Russlands militärische Interessen  dabei komplett ignoriert wurden. Dazu hat man sogar Rechtsradikale Putschisten unterstützt und tut es immer noch indem man in Kiev eine verfassungsmässig illegitime und demokratisch NICHT gewählte Interims-Regierung für die jenige nominiert, die nun für die GANZE Ukarine reden soll. Fakt ist, dass die Ukraine in sich tief gespalten ist. Die Krim ist zu 90% russisch. Sie hatte im Unterscheid zur Ukraine bislang sogar einen politischen SONDERSTATUS inne. Massive Militärinteressen der Russen sind dort nun gefährdet. Nun werden im Revolutionsgebiet Waffen gestohlen, russische Sprache verboten, Leute verhaftet. Das dies alles einen riesigen Konflikt auslösen kann wurde von unserer Politik zunächst ignoriert oder bewusst in Kauf genommen. Statt nun zu deeskalieren, lässt man dann erst Chuck Hagel und den Nato Rasmussen verbal drohen, fährt F16 und AWACS auf und sendet noch Schiffe ins schwarze Meer. Ist das etwa Deeskalation? Nun wehrt sich Russland mit dem Referendum. Man wird  sehen. Der kommende Sanktionskrieg mit Verteuerung der Energiepreise bekommt weder Deutschland noch der EU. Allein der diplomatische Schaden im Vertrauensbereich mit Russland ist immens. Und es wird sich noch zeigen, wie politisch DUMM es war, für die westlichen „Interessen“ an einer halben Ukraine mit dann noch 20 Millionen Bürgern die wirtschaftlichen Interessen und Friedensinteressen von 503 Millionen Europäern so zu gefahrden.

131 views